„Wegen der enorm hohen Nachfrage sind die Förder­mittel für energie­effiziente Neubauten jetzt komplett ausgeschöpft. Bitte stellen Sie keinen neuen Antrag mehr“, lässt die KfW auf ihrer Homepage verlauten. Seit dem gestrigen 20. April waren Anträge auf Förderung für energieeffiziente Neubauten nach KfW-Effizienzstandard EH40 wieder möglich (AssCompact berichtete). Eigentlich war eine Antragsfrist bis Ende des Jahres vorgesehen. Doch nach wenigen Stunden waren die Fördertöpfe bereits leer. Das KfW-Programm war mit 1 Mrd. Euro Fördermittel für Neubauten angelaufen. Nun war der Run offenbar zu groß und die Förderung musste nach nur wenigen Stunden schon wieder gestoppt werden.

Wie die KfW weiter mitteilt, seien bereits zugesagte Anträge nicht betroffen. „Ihren Kredit zahlen wir aus, sobald Ihr Finanzierungspartner den Kredit bei uns abruft“, wie es auf der Webseite wörtlich heißt.

Immobilienbranche spricht von Fiasko

Deutliche Kritik hagelt es aus der Immobilienbranche. So zeigt sich der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen enttäuscht, aber nicht überrascht. „Der erneute KfW-Förderstopp nach nur wenigen Stunden zeigt den großen Bedarf an Fördermaßnahmen und es zeigt auch, dass die Aufstockung mit 1 Mrd. Euro keine echte Lösung war“, betont der BFW-Präsident Andreas Ibel. „Das ist ein Debakel mit Ansage. Diejenigen, die effizient bauen wollen, werden verprellt, erneut wird die Branche in Unklarheit gelassen. Und das in diesen Zeiten, wo der Wohnraumbedarf größer denn je ist“, so Ibel weiter.

Deutliche Worte findet auch Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft: „Der erneute Förderstopp beim […] erst wieder angelaufenen EH40-Neubauprogramm ist ein zweites Fiasko mit Ansage. Es war vollkommen klar, dass die vorgesehene 1 Mrd. Euro angesichts des riesigen Bedarfs niemals ausreichen würde. Jetzt ist die grundlegend notwendige Unterstützung für das klimaschonende, bezahlbare Bauen innerhalb von Stunden wieder zum Erliegen gekommen.“

Es braucht Planungssicherheit

Die Branchenverbände fordern Planungssicherheit und Verlässlichkeit und appellieren an die Regierung, schnell eine dauerhafte Förderung für klimaschonenden, bezahlbaren Wohnungsbau einzusetzen. Unter den aktuellen Bedingungen sei bezahlbares, klimaschonendes Bauen schlicht unmöglich, so der GdW-Präsident.

Angesichts steigender Immobilienpreise und Zinsen sei eine verlässliche finanzielle staatliche Unterstützung beim Kauf oder Bau einer Immobilie essenziell, erklärt Jörg Utecht, CEO des Vermittlers privater Baufinanzierungen Interhyp. „Staatliche Förderungen sind ein wichtiger Teil für Immobilienfinanzierungen. Eine Finanzierung sollte natürlich nicht von einer Förderung abhängig sein, doch Verlässlichkeit und Unterstützung sind für viele Menschen in der Bundesrepublik ein wichtiger Teil ihres Wohnprojekts. Deshalb erwarten wir, dass das neue Programm für klimafreundliches Bauen, das im Januar 2023 in Kraft treten soll, wieder eine nachhaltig und langfristige finanzielle Unterstützung für Immobilienkäuferinnen und -käufer bietet“, so Utecht weiter. (tk)

Bild: © Andrii Yalanskyi – stock.adobe.com
Source: ImmoCompact