Seit Anfang des Jahres kratzt die USA an der gesetzlich festgelegten Schuldenobergrenze, die bei 31,4 Billionen Dollar liegt. Zu einem Zahlungsausfall kam es bisher noch nicht. Doch US-Finanzministerin Janet Yellen warnt vor einem Zahlungsausfall schon am 01.06.2023. Dies könnte dann also der Tag X sein, an dem die USA zahlungsunfähig sein könnte. Ein Spitzengespräch zwischen Präsident Joe Biden mit den Republikanern Anfang der Woche hat keinen Durchbruch gebracht. Biden will eine höhere Schuldengrenze, die Republikaner wollen Einsparungen bei den staatlichen Ausgaben, die Demokraten höhere Steuern für Spitzenverdiener.

Am Freitag vergangener Woche hatte man noch an eine Einigung geglaubt, was unter anderem auch den DAX auf einen Rekordwert getrieben hat. Nun herrscht wieder Unsicherheit an den Märkten und die Volatilität ist zurück.

Realere Gefahren als der Schuldenstreit

Obwohl aus Sicht von Kapitalmarktexperten der Schuldenstreit nicht das einzige Problem ist. Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland bei BlackRock, sieht weit entscheidendere Fragen, etwa ob erstens die US-Wirtschaft sich bis auf Rezessionsniveau abschwächt und zweitens, wie zäh die Inflationsentwicklung bleibt. Er meint: „Sollten die Konjunkturdaten auf weiteres, wenn auch schwächeres Wachstum hindeuten, die Inflation aber wie erwartet viel zu hoch bleiben, dürfte sich die Befürchtung einer weiteren Zinserhöhung am 14. Juni verfestigen. In Kombination mit dem Schuldenstreit und der Angst vor einer Zahlungsunfähigkeit spricht das für eher turbulente nächste Wochen.“

Es gilt den Blick auf weitaus realere Gefahren als einen unwahrscheinlichen Zahlungsausfall zu richten, sagt auch Benjamin Bente, Geschäftsführer der Vates Invest GmbH. So drohe gerade in den USA vonseiten des Arbeitsmarktes Gefahr. Nachdem der Housing Sektor bereits klar kontraktiv war und das produzierende Gewerbe seit Monaten schwächele, bestehe nun seit kurzer Zeit auch die reelle Gefahr, dass sich die wirtschaftliche Abschwächung in den Arbeitsmarkt übertrage. „Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind zuletzt mehrere Wochen in Folge höher aufgelaufen als das eigentlich in einer intakten Konjunktur zu erwarten wäre“, sagt Bente. „Als ein wichtiger Vorlauf-Indikator für die Arbeitsmarktentwicklung entsteht hier gerade im Schatten der Schuldengrenzendebatte eine potenziell sehr problematische Situation.“

Das bedeutet, auch wenn der Tag X ausfällt, warten auf die USA und damit auch auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte weitere Herausforderungen. Der DAX, der zuletzt auch von Dividentenberechnungen profitierte, dürfte davon nicht unberührt bleiben. (bh)

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Source: ImmoCompact