Die internationale Unternehmensberatung Bain & Company hat den globalen Versicherungsmarkt einer genauen Analyse unterzogen und stellt dabei fest, dass die Prämieneinnahmen im weltweiten Versicherungsgeschäft bis 2030 auf rund 9 bis 10 Bio. US-Dollar ansteigen werden. Um bis zu 80% nehmen die Prämieneinnahmen in der laufenden Dekade laut Bain-Analyse zu. Sie wachsen also doppelt so schnell wie in den 2010er-Jahren. Dies liege nicht nur an der steigenden Nachfrage in Schwellenländern, auch mehrten sich Risiken, gegen die es sich künftig verstärkt zu versichern gelte. So seien heute weltweit schätzungsweise gerade einmal 5% der Cyberrisiken mit Policen abgesichert, bei Elementarschäden wie Hochwasser seien es rund 24%.

Neue Technologien sorgen für Kostenrückgang bei Schadenregulierung

Zuletzt hatten sich die Prämieneinnahmen auf rund 5,5 Bio. US-Dollar belaufen. Durch den Einsatz neuer Technologien gehen gleichzeitig die Kosten für die Regulierung von Schäden und im Versicherungsbetrieb zurück: Schon heute helfen Connected Devices, Gefahren im Straßenverkehr, in Wohngebäuden oder Fabrikhallen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Unternehmen können dank Datenanalyse Schwachstellen in ihrer IT-Sicherheit aufspüren, und mit künstlicher Intelligenz lassen sich extreme Wetterlagen präziser vorhersagen, so die Studienautoren.

Der Bain-Analyse zufolge wird der Schadenaufwand bei Sachversicherern in den kommenden Jahren im Schnitt um 15 bis 20% sinken. Im Versicherungsbetrieb sind durch die Automatisierung von Prozessen sogar Einsparungen von 40 bis 50% möglich. Die Kosten von Lebensversicherern dürften sich um 20 bis 30% reduzieren.

Etablierte Versicherer müssen dennoch aufpassen

Ob diese Entwicklungen etablierten Versicherungsunternehmen allerdings goldene Zeiten bescheren oder sie überhaupt in irgendeiner Weise davon profitieren werden, ist laut Bain-Analyse allerdings noch nicht gesagt, denn: Der wachsende und margenträchtige Markt lockt immer mehr Wettbewerber an. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle. So gibt es beispielsweise schon heute beim Kauf von höherwertigen, versicherungswürdigen Gütern wie Pkw Embedded-Insurance-Produkte den Kauf ab und der Anbieter der Versicherungspolice muss sich mit der Rolle als „Zulieferer“ begnügen. Gehen die Pläne von Technologiekonzernen und InsurTechs auf, könnte das Geschäft sogar ganz ohne die Assekuranz funktionieren, da diese Unternehmen mittlerweile über Lösungen für nahezu alle Teile der Wertschöpfungskette verfügten, so Bain.

Mehrspartenansatz als Vorteil traditioneller Anbieter

„Angesichts dieser Entwicklung sind etablierte Versicherungsunternehmen gut beraten, sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen und ihre Stärken im Wettbewerb konsequent auszuspielen, ganz gleich ob allein oder mit Partnern“, erklärt Dr. Christian Kinder, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Versicherungen in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA). Gerade aufgrund der oft hohen Zahl an Bestandskunden erweise sich der Mehrspartenansatz der traditionellen Anbieter in dieser Situation als Vorteil. Interessant für die Kundschaft seien zudem gemeinsam mit Partnern betriebene Ökosysteme. (ad)

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Source: ImmoCompact