Mit Start der DKM, die vom 25.10. bis 27.10.2022 in der Messe Dortmund stattfindet, fällt der Blick wieder auf die Situation der unabhängigen Finanz- und Versicherungsvermittlung. Während die Frage, ob es eine persönliche Beratung weiterhin braucht, anhand zahlreicher Studien vorläufig beantwortet zu sein scheint – die Antwort ist: ja – gibt es weiterhin viele Aspekte, die die Maklerunternehmen beschäftigen.
Hohe Motivation dank Kunden
Starten wir mit dem Aspekt, der Versicherungsmakler, Finanzanlagenvermittler und Darlehensvermittler antreibt – und das sind die Kunden. Unter den regelmäßigen AssCompact Studien gibt es keine, in der die befragten Vermittler und Vermittlerinnen nicht ihre Kunden als Motivation und Antrieb nennen. Diese stehen in der Regel als positiver Ausgleich der oft als einschränkend gesehenen Regulatorik des Gesetzgebers gegenüber.
Kunden stehen vor Herausforderungen
Aktuell stehen jedoch auch die Kunden vor großen Herausforderungen. So sehen Industrie und Gewerbe eine Rezession auf sich zukommen. Kränkelnde Lieferketten schränken die Produktion ein und Preissteigerungen verteuern sie. Geht es den Kunden schlecht, wirkt sich das direkt auf den Versicherungsschutz und die Maklerunternehmen aus.
Das gilt auch aufseiten der Privatkunden. So hat das IW Köln am Montag eine Studie veröffentlicht, in der es heißt, dass nur noch jeder zweite Deutsche sparen könne. Dabei reiche die Verschlechterung der Sparfähigkeit bis tief in die Mittelschicht hinein. Insofern trüben die allgemeinen Konjunkturaussichten auch die Umsatzerwartungen der Maklerbetriebe.
Veränderungen bringt zudem die Zinswende. Die Folgen betreffen den Versicherungsschutz, reichen aber darüber hinaus. So gehen jetzt bereits die Abschlüsse von Baufinanzierungen zurück. Darlehensvermittler dürften dies schon in ihren Büchern spüren. Andererseits wird bereits von einer Renaissance der Bausparverträge gesprochen. Und natürlich rücken höhere Zinsen auch wieder Spar- und Anlageformen ins Blickfeld – etwa Festgeldkonten oder Anleihefonds – die zuletzt eher ein Schattendasein führten. Für die Beratung bedeutet dies, ihre Kunden in der neuen Situation zu begleiten.
Zusammenarbeit mit Versicherern
In ihrer Tätigkeit sind auch ungebundene Vermittler darauf angewiesen, dass das Verhältnis zu den Produktgebern stimmt. Aus Sicht der Versicherungsmakler gibt es in der Zusammenarbeit mit Versicherern jedoch Licht und Schatten.
So zeigt etwa das Digitalisierungsbestreben mittlerweile eine positive Wirkung, auch wenn weiter mehr Geschwindigkeit und eine gezieltere Betrachtung der Maklerbelange wünschenswert wäre. An manchen Stellen übernehmen dies mittlerweile allerdings sowieso Angebote von Pools und Maklerverbünden, die den Maklerbetrieben die digitale Infrastruktur zur Verfügung stellen.
Es gibt aber auch Faktoren, die die Zufriedenheit aufseiten der Makler deutlich beeinträchtigen. Eingeschränkt seien etwa die Erreichbarkeit und Kompetenzen von Ansprechpartnern auf Versichererseite – sozusagen ein Dauerthema. Die Liste lässt sich fortsetzen und reicht bis zum Rückzug von Versicherern aus manchen Sparten.
Provisionsrichtwert – nun doch nicht?
Weiterhin nicht vom Tisch ist die Vergütungsdiskussion für Versicherungsmakler. Eine Limitierung für Provisionen gibt es mittlerweile in der PKV und in der Restschuldversicherung. Der Provisionsdeckel in der Lebensversicherung schien vom Tisch, kam dann aber vonseiten der BaFin als Provisionsrichtwert wieder aufs Tablett. Nach Berichten des „versicherungstip“ ist er von dort nun aber wieder verschwunden. Dabei bezieht sich das Branchenmagazin auf Aussagen eines BaFin-Mitarbeiters und legt sich fest, dass es weder einen Richtwert noch ein Rundschreiben an die Versicherer geben wird, in dem eine Verschärfung verankert wird. Ein Merkblatt soll es nun richten. Dieses will die BaFin laut AssCompact Nachfrage auch bald veröffentlichen.
Näheres dazu dürften auf der DKM die Vermittlerverbände äußern. In der Woche nach der DKM lädt zudem die BaFin zur Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht nach Bonn, wo die Vertriebsvergütung ebenfalls auf der Agenda steht und vermutlich auch die kritische Sicht der europäischen Gremien auf die Provisionsvergütung dargelegt wird.
Konsolidierung des Maklermarkts
Die vergangenen Jahre waren von einer Konsolidierungswelle auf dem Maklermarkt geprägt. So haben auch ausländische Investoren das deutsche Maklerunternehmen als wertvolles Asset entdeckt. Im oberen Maklersegment scheint die Konsolidierung mittlerweile an Grenzen zu stoßen. Im mittleren und kleineren Segment könnte sie dagegen erst noch an Fahrt aufnehmen, kommen doch hier auf Käuferseite immer noch neue Player hinzu.
Schon auf der DKM 2021 führte die Konsolidierung zu heftigen Debatten. Auch, weil hinter der Konsolidierung so ziemlich alle Herausforderungen stehen, denen sich Maklerunternehmen gegenübersehen, darunter eine schwierige Nachfolge- und Personalsuche, steigende Kosten durch Digitalisierung und Inflation sowie veränderte Kundenerwartungen.
Nachhaltige Transformation
In das Jahr ist die Branche eigentlich mit dem Riesenthema Nachhaltigkeit gestartet. Aus bekannten Gründen ist die komplette Debatte ins Schleudern geraten. Nichtsdestotrotz müssen sich Vermittlerbetriebe dem Thema aus ihrer Verantwortung und natürlich auch aus regulatorischen Gründen heraus stellen. Die Verunsicherung ist auf allen Seiten groß und es bleibt zu hoffen, dass sich mit Jahresanfang 2023 die Schleier heben, was denn nun ein nachhaltiges Produkt ist und was nicht. Insofern ist das Thema auch nicht vom Tisch, sondern wird sich dynamisch weiterentwickeln.
Ausschlaggebender Rat
Für die DKM 2022 bedeutet dies eine intensive Betrachtung der Marktsituation aufseiten der beteiligten Parteien. Eine hochwertige Beratung bleibt jedoch ausschlaggebend für die Zukunftsentscheidungen der Menschen und Firmen in Deutschland.
Mehr zur DKM 2022 findet sich hier. (bh)
Source: ImmoCompact
